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"Nacktscanner": Viel Lärm um eigentlich nichts
Die geplante Einführung sogenannter Nacktscanner auf Flughäfen ist seit dem Bekanntwerden auf breite Kritik gestoßen. Dabei waren offenbar Politiker in erster Reihe, Spiegel online sprach sogar von entsetzten Politkern. Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach meinte gar "Man muss nicht alles machen, was technisch machbar ist" (Quelle: heise.de). Dieter Wiefelspütz (SPD) sieht Nacktscanner "in jeder Beziehung" (!) als "fragwürdig und unverhältnismäßig" an und postuliert: «Die Intimsphäre eines Menschen muss geschützt bleiben» (Quelle: sueddeutsche.de). Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sprach von "Unfug" (Wolfgang Schäuble; Quelle: Quelle: tagesschau.de), und sagte laut RP online:
Diese Bilder seien "etwas, was schon mit der privaten Würde, auch mit datenschutzrechtlichen Prinzipien zu tun hat", [...] "Man kann darauf beispielsweise erkennen, ob jemand eine Prothese hat, das will nicht jeder."
Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft vermochte laut FAZ online den Nutzen für die Sicherheit "wirklich nicht zu erkennen". Dabei ist der Nutzen dieser Technologie doch so klar erkennbar und sollte auch von Herrn Wendt einfach begriffen werden können: Die sogenannten Nacktscanner ermöglichen ein berührungsloses Erkennen von nichtmetallischen Gegenständen am Menschen. Sicherheitsrelevante nichtmetallische Gegenstände wären beispielsweise Keramikmesser. Sozusagen als Nebenwirkung werden die gescannten Menschen "nackt" dargestellt - inklusive der viel zitierten Speckröllchen und künstlichen Darmausgänge.
Wenn Politiker aller Parteien laut empört und sittlich entrüstet Alarm schlagen, wenn plötzlich von solch als nebensächlich titulierten Begriffen wie "Intimsphäre" und "datenschutzrechtlichen Prinzipien" die Rede ist und Polizeibeamte sicherheitstechnisch nützliche Technologien - wohl vor lauter Empörung - nicht erkennen können, so müssen die Befürworter der Bodyscanner wohl eine Schamgrenze überschritten haben. Angesichts der Tatscache, dass die lautesten Empörungsschreie aus den Reihen derer kommen, die Fragen nach Privatsphäre und Datenschutz ansonsten mit einem Kommentar im Stile von "Anständige Bürger haben doch nichts zu verbergen" begegnen, kann man sich fragen, worüber diese Menschen sich eigentlich dermaßen echauffieren.
Twister schreibt auf heise.de dann auch nur folgerichtig:
Die Grenze, das unnötige und massenhafte Eindringen in die Privatsphäre, wurde natürlich schon längst überschritten, gestört hat es allerdings nur wenige. Man blieb dabei, dass derjenige, der nichts zu verbergen hat, auch von der Aufklärung nichts zu befürchten habe. Online-Durchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Überwachung der Kommunikation und des Verhaltens im Internet, Sammeln und Austauschen von persönlichen Daten der Flugpassagiere, Videokameras, biometrische Ausweise, Terrorlisten, Aushebelung der Grenzen zwischen den Befugnissen von Polizei, Geheimdiensten und Militär. Alles kein großes Problem, trifft ja nur Terroristen.
Anablog meint:
Für den Staat bin ich schon lange nackt - im Sinne von das er alle meine Freunde kennt- weil jeder Bundesbürger 365 Tage im jahre überwacht wird durch die Vorratsdatenspeicherung. Es ist mal wieder typisch das man sich an Oberflächlichkeiten aufhält. Hier gehts wohl eher darum das hier manch prüder Abgeordneter sich auf den Schlips getreten fühlt.
Warum also ausgerechnet Politiker ganz aufgeregt protestieren, läßt sich wohl so erklären, dass, anders als bei den diversen Instrumentarien, die Freiheitsrechte massiv beschneiden, bei Nacktscannern keine Ausnahmeregelungen für Politiker vorgesehen sind.
Den Angehörigen der politischen Klasse geht eine solche Technologie buchstäblich an die Haut. Die eigene Haut aber ist greifbarer als beispielsweise die Vorratsdatenspeicherung. Die Konsequenz von "Nacktsein" erschließt sich auch Menschen, die nicht wissen, was ein Browser ist und deswegen unter Umständen gar nicht begreifen, was denn nun Personal Computer mit dem Kernbereich der privaten Lebensführung zu tun haben könnten.
Auch im Gefährderblog hat man diese Tragweite erkannt:
Interessant, wie schnell ein Datenschutzthema breite Aufmerksamkeit findet, wenn ein hinreichend großer Querschnitt der Bevölkerung davon betroffen ist (jeder, der fliegt) und die Datenschutzverletzung einfach zu vermitteln ist (man steht nackt da).
Hinzu kommt: Nacktheit ist Kontroll- und Machtverlust. Gerade für Politiker muss der Verlust von Macht und Kontrolle eine große Bedrohung des Selbstverständnisses sein - man stelle sich vor, Bodyscan-Bilder von Wolfgang Schäuble tauchten im Internet auf.
Wenn man nun aber nur lange genug darüber nachdenkt und den derzeitigen Umgang mit derlei politischen Herausforderungen betrachtet, so müsste man sich eigentlich fragen, wieso die Politiker dermaßen kopflos reagierten. Eine angemessenere und verständlichere Reaktion wäre doch die Forderung nach einer Ausnahmeregelung für Parlamentarier gewesen?
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