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G8: Eine Zensur findet statt
Das Bundespresseamt, zuständig für die Akkredition von Journalisten beim G8-Gipfel, hat mehreren Journalisten den Zugang zum Gipfel verweigert.
Dies geschah zunächst ohne Angabe von Gründen. Mittlerweile wurden zwar keine ernstzunehmenden Begründungen nachgeschoben, es zeichnet sich aber ab, wann die Akkreditionen verweigert werden - wenn kritische Berichterstattung gefürchtet wird.
Am Beispiel von Felix Lee, Redakteur der taz, zeigt sich, wie Medienlenkung im Zuge des G8-Gipfels funktioniert.
Felis Lee erhielt wenige Tage vor dem Beginn des G8-Gipfels eine Ablehnung des Bundespresseamts - ohne Angabe von Gründen. Auf Nachfrage verwiesen Mitarbeiter des Bundespresseamtes auf eine "Empfehlung" des Bundeskriminalamtes. Dort nachgefragt, wurde an das Berliner Landeskriminalamt weiterverwiesen. Beim Berliner LKA wiederum wußte man zunächst einmal von garnichts, erklärte dann aber, der Verfassungsschutz hätte Bedenken gegen die Zulassung des Journalisten Felix Lee.
Was macht Felix Lee so gefährlich, dass ihm die Ausübung seiner Arbeit beim G8-Gipfel verwehrt wird? Felix Lee selbst weiß es nicht: "Ich habe [...] noch nicht mal einen Strafzettel vorzuweisen."
Wer auch immer diese Entscheidung, die bei etwa zwanzig weiteren Journalisten gefällt wurde, gefällt hat: Die Gründe sind vielleicht ganz einfacher Natur.
Schließlich handelt es sich bei den Journalisten um jene, die in der Vergangenheit kritisch über den G8-Gipfel berichtet haben. Im Jargon der unbekannten Entscheider mag man sagen: Auffällig geworden.
Kritische Berichterstattung allerdings mag man über den G8-Gipfel nicht sehen. Und so werden aus Journalisten flugs per unbegründetem Bescheid einfach Sicherheitsrisiken gemacht. Eine Zensur findet statt.
A. Schliessmann meint in PR-Fundsachen: Ein sicherer Umgang mit kritischen Stimmen sieht anders aus. So geht der Schuss nach hinten los. Die Bundesregierung erweckt den Eindruck, sie sei mehr an einen planmäßigen Ablauf des G8-Gipfels interessiert als an einer offenen Auseinandersetzung mit dessen Ergebnissen. „taz“ und Co. werden die Steilvorlage dankend annehmen.
Politblog befürchtet: Außer der offenen staatlichen Zensur bleibt da wohl nicht mehr viel übrig. Ausschließen kann man in diesen Tagen ja wirklich gar nichts mehr.
Frederic Hormuth kennt den Grund für die Ablehnung Lees: TAZ-Redakteur Felix Lee hat mehrfach in Reportagen über die Globalisierungsgegner berichtet, dabei aber offensichtlich vergessen, sich hinreichend vor Ekel und Abscheu zu winden.
Thomas Trueten zieht den Vergleich zu embedded journalism im Irakkrieg.
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