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Vom Lebensglück
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), ein Verein, dessen ordentliche Mitglieder Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sind, hat neue (oder alte?) Strategien zur Armutsbekämpfung vorgestellt.
Zusammengefaßt lautet das Rezept zur Bekämpfung der Armut: Weniger Unterstützung für Arbeitslose. Konkret sollen zwei "Hartz-4-Zuschläge" gestrichen werden, darunter auch der Kindergeldzuschlag.
IW-Direktor Michael Hüther meint, diese Zuschläge müssen abgeschafft werden, da sie vor allem dafür sorgen, dass potenzielle Erwerbstätige in der staatlichen Alimentierung bleiben.
Herr Hüther scheint nicht zu wissen, dass ALG II-Empfänger bereits jetzt "Anreize" zur Arbeitsaufnahme bekommen - denn lehnen sie eine Arbeit ab, wird das Arbeitslosengeld gekürzt.
Aber natürlich weiß Herr Hüther das genau, denn etwas später wird Hüther zitiert: Die Forderung nach einem Mindestlohn widerspreche zudem der Hartz-Gesetzgebung, die schließlich bereits festgelegt habe, dass zumutbare Arbeit – auch solche zu geringen Löhnen – angenommen werden müsse.
Ach ja, der Mindestlohn. Das ist auch so eine Sache. Der Mindestlohn, so Hüther, vernichtet Lebensglück, da er Arbeitsplätze vernichte. Was meint Herr Hüther damit? Nun, laut IW (sic!) seien 36 Prozent der Arbeitslosen mit einem Einkommen unterhalb der üblichen Armutsgrenze mit ihrem Leben unzufrieden, aber nur knapp 17 Prozent der Einkommensarmen, die Arbeit haben oder nicht auf Arbeitssuche sind. Wohl deshalb verhilft ein Job mit vier Euro Stundenlohn zu mehr Lebensglück als einer mit 7,50 Euro.
Generell ist Armut ja ein schwieriger Begriff. Dass hat auch Herr Hüther erkannt, und wirft sich in die Bresche für einen neuen Armutsbegriff, der dem Thema "Armut" gerecht werde. Denn die gängige Definition, wonach arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf-Einkommens hat, werde dem Thema Armut nicht gerecht: Niedrige Einkommen könnten nicht immer mit einem unzureichenden Lebensstandard gleichgesetzt werden.
Das hört sich zunächst seltsam an, aber wenn man darüber nachdenkt, Hatt Herr Hüther wohl recht. Wer weniger hat, hat auch weniger Sorgen. Und die Armen haben zwar kein Geld, dafür aber Liebe, Glauben, Gesundheit und eine harte, aber gerechte Erziehung.
Überhaupt geht's den Einkommensschwachen offensichtlich noch viel zu gut (Anreize setzen!). Und arm sind sie ja noch lange nicht! Man muß beispielsweise einmal den Armutsbegriff der Weltbank als Bewertungsmaßstab ansetzen: Erst bei einem Verdienst unter einem US-Dollar pro Tag ist man arm.
Da sollte doch noch etwas Luft sein, nicht wahr, Herr Hüther?
Sämtliche kursiven Textstellen sind dem Artikel "Mindestlohn vernichtet Lebensglück" aus der netzeitung vom 06.03.2006 entnommen.
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Ich gebe es zu, mittlerweile reagiere ich auch gereizt, wenn ich von "Anreizen" für Arbeitslose lese. Denn mit Anreiz ist meistens gemeint, dass der Druck auf Arbeitslose erhöht werden soll. Aber was nützt Druck auf Arbeitslose schlecht bezahlte Jobs a...


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